Sven Kemmler - Moral Carpaccio

Kabarett

Wo sind denn all die neuen Werte? Wollen wir nicht alle das Gute, Wahre, Schöne, zumindest solange man es wieder aus dem Teppich kriegt? Die eigentliche Frage unserer Zeit ist doch: Wie wird man sein eigener Helmut Schmidt? Wenn rauchen allein nicht reicht, muss man größer denken.

Wie der spätrömische Kaiser Caligula, der ernannte ein Pferd zum Senator. Damals war Qualifikation bei der Besetzung des Kabinetts eben noch ein Argument. War also früher alles besser oder einfach nur diskreter?Sven Kemmler bläst mit „Moral Carpaccio“ zur allgemeinen Meuterei gegen den Verfall, den Zerfall und den Befall. Aber er sichert sich nach allen Seiten ab. Denn Forsa-Umfragen belegen, niemand kennt diesen Forsa. Folglich müssen wir da selber durch. Doch wer macht noch irgendetwas selbst, wenn es in China billiger geht? Mit Ausnahme der Liebe natürlich, die sich seit Jahren fragt: Immanuel Kants Sitten schön und recht, aber wollen wir vorglühen?

Moral ist eine doppelte Spitze. Sie fehlt uns im Parlament, aber sobald sie da ist, hindert sie uns an der Ausübung der außerehelichen Pflichten. Wir müssen deshalb endlich Verantwortung übernehmen und die Schuld bei der EU suchen. Oder der Erbsünde, je nach persönlicher Veranlagung.Sven Kemmler ist dabei jedes Mittel recht: Klassisches Kabarett, Slam Poetry, Chanson, Tai Chi, philosophische Ausschweifung und jede Menge Charme werden grenzmoralisch eingesetzt um einen einzigartigen Abend zu servieren. Kemmler ist Metabolic Balance für den politischen Saumagen und  Schokocremetorte für die Sinnlichkeit. Oder war es Sittlichkeit?

Der Regisseur der Lach- und Schießgesellschaft und begnadete Autor weiß, entscheidend ist doch allein, dass es hat geprickelt in die Bauchnabel. Und dieses Programm ist darüber hinaus eine Verneigung und eine Liebeserklärung an einen seit 200.000 Jahren unerfüllten Traum der Menschheit und ihrer wirbellosen Vertreter: Aufrecht zu gehen!

„Moral Carpaccio“ – Scheibe für Scheibe feinstes privatpolitisches Kabarett. Angerichtet von Sven Kemmler.

Regie: Gabi Rothmüller