Flügelstürmer

Marco Tschirpke

Lapsuslieder, Gedichte und ein Quantum Mumpitz 

Marco Tschirpke interessiert sich weder für Pinguine noch für Gestirne, stattdessen zielt er mikroskopisch genau auf die Sphäre dazwischen - es ist ein Universum voller obskurer Alltäglichkeiten, voller Greueltaten auf Häkeldeckchen, die der Wahlberliner besingt und bedichtet. Wenn die Muse bei ihm anklopft, lädt er sie gleich noch zum Frühstück ein. Gemeinsam fabrizieren sie Hochkonzentriertes, musikalisch pointiert, rhetorisch entfesselt. 

Dieser Mann braucht keine Konstruktionen, ihm reichen Beobachtungen, und hat man das Dasein erst einmal konsequent durchdacht, ist das schon alles enorm unterhaltsam. Da hat bereits einer in die Suppe gespuckt, jetzt muss nur noch jemand einen Song daraus machen. Dieser jemand ist Marco Tschirpke.

Seine Lapsuslieder sind knackige Geisteskonzentrate. Sein Trick: Kürze. Ein Song, ein Wort, ein Klick im Kopf, danach geht es auch schon auf die nächste Reise. So beobachten wir innerhalb kürzester Zeit die Venushügel beim Rosten und die Könige beim Stolpern, erdulden romantische Arrangements und herrliche Kakophonien. Stets zugänglich, doch immer auch mit einem schelmischen Hintergedanken, tänzelt und poltert er über die Tasten, stichelt gegen die Verhältnisse. Je größer sein Sujet, desto beiläufiger belächelt Tschirpke es. Am Ende steht die Erkenntnis: Wenn die Welt uns überfordert, dann Tschirpkes Antwort auf die Welt noch mehr. Einfach wundervoll.