Der Jazzdirigent

Wu Wei Theater – Angelika Sieburg, Andreas Wellano und Elisabeth Süßer (Klavier)

„Swing low, swing high“ statt „Heil Hitler“

DER JAZZDIRIGENT von Wolfgang Sréter ist eine Erzählung mit biographischem Hintergrund. Sréters Onkel, Pál Weissenburger gerät in Budapest in eine Widerstandsgruppe gegen die Nazis, weniger aus politischen Zielen, denn aus Liebe zum verbotenen Jazz. Er träumt sich nach New York auf den Broadway hat die große Sehnsucht, als Dirigent eines Jazz-Orchesters in Amerika Karriere zu machen. Aber dann wird er geschnappt. Bei der Erschießung der Gefangenen am Ende des Krieges vergisst man ihn, weil er gerade in Einzel-Arrest sitzt.

Andreas Wellano spielt und erzählt die Geschichte von dem Neffen des Onkels. Nahtlos und mit komödiantischem Humor spielt er sich in die historischen Situationen hinein. Die Jazzpianistin Elisabeth Süßer und die Sängerin Angelika Sieburg lassen mit Songs von Benny Goodman, George Gershwin, Duke Ellington und anderen, den Swing wieder aufleben. Erinnerung wird so zur Gegenwart. Die Musik als zentrales Thema des Stücks ist dadurch gleichberechtigte Mitspielerin.

DER JAZZDIRIGENT bietet einen interessanten und neuen Ansatz zur Beschäftigung mit dem Thema „Nationalsozialismus“. Es ist eine der unaufdringlichsten und leichtesten Inszenierungen zum Thema „Gegen das Vergessen“. Jede Altersgruppe steht auf bestimmte Musik und lebt das damit einhergehende Lebensgefühl. Im Nationalsozialismus war es der verbotene Swing mit Stockschirm und englischer Kleidung als äußeren Merkmalen. Die so genannte Swing-Jugend wurde massenhaft in den KZs interniert.

„Das Wu Wei Theater Frankfurt macht zusammen mit dem Regisseur Dietrich Stern eine Art Wundertüte aus der Erzählung. Die Details, die Farbe, die Hinzuerfindungen, die Wärme, die Lebendigkeit, sie quellen nur so aus dem Füllhorn heraus. Jede einzelne Szene - auch wegen der Darstellungskunst von Andreas Wellano - ein Juwel." (FRANKFURTER RUNDSCHAU)