DIE BETTLEROPER – Du kannst nicht den Mann und das Geld zugleich haben

mit Ingrid El Sigai, Monica Ries und Markus Neumeyer

Das Thema ist von immerwährender Aktualität. Als John Gay 1728 die "Beggar`s Opera" zur Uraufführung brachte, waren Korruption und Doppelmoral in Politik und Gesellschaft schon genauso von brennendem Interesse wie heute. Gay verstand es grandios, Sozialkritik und Unterhaltung miteinander zu verbinden und wurde so zu einem gefeierten Autor seiner Zeit.

Auch die Musik, die Christoph Pepusch dazu komponierte, wurde schnell zum Kult (würde man heute sagen), weil sie auf volkstümlichen Balladen aufgebaut war und gleichzeitig Händels Barockopern parodierte. Statt Göttern, Königen und Prinzessinnen agierten und sangen hier Gauner, Ganoven und Huren. Keine Oper mit Bettlern sondern für „Bettler“, sprich: den „kleinen Mann und die kleine Frau“.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde "Beggar`s Opera" immer wieder neu aufgenommen und der Zeit angepaßt, so nahmen sich 1928 Bertolt Brecht und Kurt Weill des Stoffes an und schufen daraus die berühmte "Dreigroschenoper". Der tschechische Schriftsteller und spätere Staatspräsident Václav Havel schuf eine Adaption des Werkes im Jahre 1975, und Peter Brook verfilmte es 1953.

Nun haben auch wir uns daran gemacht, eine neue Fassung der Bettleroper auf die Bühne zu bringen: Gesellschaftlich werden wir uns weniger im romantisch-schummrigen Gauner-Milieu tummeln (die großen Schiebereien organisiert man heutzutage woanders!) – und was die Töne betrifft, so hat Markus Neumeyer mit seinen neuen Arrangements die Vorlage nie verleugnet aber das Spektrum der Anspielungen und Stilmittel beträchtlich erweitert und den nicht ganz unbekannten Sängerinnen sowie sich selbst wunderbare Nummern auf den Leib geschrieben. Großes Ganoven-Ehrenwort: Polly, Lucy, Jenny, Macheath und Konsorten werden mit allen musikalischen Wassern gewaschen sein!

Eine Produktion des Stalburg Theaters, Frankfurt, Uraufführung 8. September 2011