Die FR über "Die Eisprinzessin"

04. Mai 2017

Die FR über "Die Eisprinzessin": Was die Hand dazu sagt

F.K. Waechters „Eisprinzessin“ für zwei Personen und Kontrabass: Eine gewitzte Produktion der Fliegenden Volksbühne im Stalburg Theater Frankfurt.

Der Frankfurter F. K. Waechter ist, was das Theater anbelangt, vor allem für seine Kinderstücke bekannt. Einige jedoch hat der 2005 verstorbene Zeichner, Kinderbuchautor und Regisseur, der die satirischen Zeitschriften „Pardon“ und „Titanic“ entscheidend mitgeprägt hat, auch für ein erwachsenes Publikum geschrieben.

Ulrike Kinbach, als Clownin ausgebildet, ist eine Schauspielerin, die ihr Publikum vom ersten Moment an auf ihre Seite zu bringen versteht. In der minimalen Ausstattung mit Barhocker und einem als Bar hergerichteten Treppenregal spielt sie unter der Regie von Lucia Primavera im Stalburg Theater Waechters Erzähltheatersolo „Die Eisprinzessin“, als Koproduktion mit Michael Quasts Fliegender Volksbühne, zu deren informellem Ensemble sie gehört. In dem erotisch-frivolen Märchenstück von 1993 verschafft die in Not geratene Großmutter des Teufels in einem Handel dem in Liebe entflammten Sizilianerkönig, der bei der aus dem kühlen Norden kommenden Eisprinzessin abgeblitzt ist, eine zweite Chance. Nach einigen Wirren naturgemäß mit Erfolg.

Eine Spur von Beckettschem Herr-Knecht-Verhältnis deutet sich am Anfang an: Hier die mit schlabberweitem Mantel, Strubbelkopf und balkenstarken Augenbrauen versehene Teufelsgroßmutter, dort ihr musikalischer Partner Martin Lejeune, der die Unwillige mit einem Tritt ins Gesäß auf die Bühne schubst. Fürderhin kommentiert Lejeune das Geschehen launig-famos improvisatorisch am Kontrabass. Alles ist von detailversessener Liebe zum Komödiantentum. Dazu gehören auch die gewinnend unverzagt zur Lachnummer gemachten Texthänger oder – szenenapplaussicher – das sich selbstständig machende Inventar. Von einigem Witz ist es, wenn die füllige Höllenoma im hellblauen Häkeljäckchen samt Perlenknöpfen geschwind in die Rolle der liebreizenden Prinzessin überwechselt.

Ein hübsch publikumswirksames Virtuosenstückchen ist der Dialog zwischen einer durch den Ärmel des Mantels gesteckten Hand und ihrer Besitzerin als getätscheltes Gegenüber. Oder das Spiel zweier Hände mit der Sitzfläche eines Stuhls als Bühne. Mehrfach münzen Ulrike Kinbach und Martin Lejeune geläufige Standards in hanebüchen-kabarettistische deutsche Verhohnepipelungen. Aus Peggy Lees „Fever“ etwa wird „Fege – auf ewig meine Stubb“.

Ein vergnüglicher Abend. In seiner Art ist das natürlich auch Kindertheater – bloß eben für Erwachsene. Riesenjubel am Ende der Premiere, nach eineinviertel Stunden. Verdient.


Stefan Michalzik, Donnerstag, 4. Mai 2017