Die FNP über "Wer kocht, schießt nicht"

07. Oktober 2002

Die FNP über "Wer kocht, schießt nicht": Ein Aufschrei gegen das Fast-Food

Michael Herls Satire "Wer kocht, schießt nicht", dargeboten von Ilja Kamphues, erlebte im Frankfurter "Stalburg Theater" eine gloriose Premiere.

Als der erste McDonalds sich vor Jahren anschickte, die barocke Innenstadt Roms zu erobern, versammelte sich die Intelligenz der Kapitale zu einer öffentlichen "Spaghettata": einem gemeinschaftlichen Spaghetti-Essen auf der Piazza mit dem Ziel, der Herausforderung durch amerikanisches "Fast Food" entschlossen ­ letztlich aber wirkungslos entgegen zu treten. Wann hätte es einen solch sinnlosen, doch Ehren rettenden Aufschrei hier zu Lande gegeben? Da ist es kein geringes Verdienst, wenn Michael Herl, der Pate und grande impresario des "Stalburg", in seinem ersten Kabaretttext seit Jahren zumindest im Nachhinein den nötigen Mut fasst. Soweit es die Qualität von Text und einzigem Darsteller Kamphues (in zwei Rollen: als kulinarischer Faust und Widersacher) betrifft, übertreibt nicht, wer das kabarettisto-theatrale Konglomerat mitim besten Fall ­ erleuchtenden Kammerspiel-Soli auf eine Stufe stellt, wie Schauspieler aller Orten sie reihenweise, aber effektiv aus Kafkas "Bericht ", Süskinds "Kontrabass" oder Fos "Offener Zwierbeziehung" schusterten.Der Ablauf ist simpel: Dr.Theodor Kögel, seiner Alma Mater Molekularbiologe mit in eigenem Mittun begründetem Hass auf Gen-Food, ist arbeitslos. Also landet er als Alibi-Wissenschaftler in der Werbung für eine Tütenessen-Kette, für die er auf offener Bühne vor uns, dem Testpublikum, einige Künstlichkeiten vorkochen soll. Dass er sich nicht zu dem Auftrag überwindet, versteht sich. Stattdessen spult er mit dem Wortwitz Herls eine subversive Widerrede gegen "Schnell & lecker" herunter, die sich gewaschen hat. Zum Schluss saß eine Dame mit auf der Bühne und kostete, was nach ihrem heftigen Kopfnicken eine vorzügliche Pasta (etwas zwischen Spaghetti und Fettucine) auf Hühnerbeinbasis zu sein schien. Die geglückten Wortspiele aufzuzählen, wäre sinnlos: Es waren zu viele. Im Ganzen aber präsentiert sich Herl in seinem Haus mit einem Stück Meta-Kulinarik, das hochgradig sehenswert ist.


Marcus Hladek, 28. September 2002