Die FAZ über "Die Eisprinzessin"

11. Mai 2017

Die FAZ über "Die Eisprinzessin": Widerspruch zwischen Schönheitsanspruch und Outfit

F. K. Waechters frivoles Märchenstück "Eisprinzessin" im Frankfurter Stalburg Theater

Wo ist das Glück? Zwischen den Lenden. Jedenfalls behauptet das Friedrich Karl Waechter in seinem Märchenstück "Die Eisprinzessin". Deshalb wirbt das Stalburg Theater auch mit einem "Märchen für Erwachsene".

Der verstorbene Frankfurter Satiriker, Kinderbuchautor und Dramatiker hat sein frivoles Stücklein gleich in zwei Fassungen hinterlassen: als Monodram, seit 1993 am Niedersächsischen Staatstheater Hannover mit Verena Reichardt zum Kultstück avanciert, sowie als Kammeroper, 1998 am Landestheater Linz uraufgeführt. Jetzt hat Lucia Primavera "Die Eisprinzessin" in Frankfurt inszeniert: mit Ulrike Kinbach in allen verfügbaren Rollen und Martin Lejeune am Bass.

Den skurrilen Morgenmantel mit den Epauletten hat Kostümbildnerin Anna-Sophia Blersch entworfen. Er ist ein wichtiges dramaturgisches Utensil: für die Großmutter des Teufels, die in einem Dornbusch feststeckt und das Märchen erzählt; für die Eisprinzessin, um sich zu enthüllen und einen weißen Unterrock nebst Strumpfhose freizugeben, und für die zur Sinnlichkeit bekehrte Prinzessin im Gespräch mit dem König, der vergeblich um sie gefreit hatte.

Zuerst hatte sie ihn mit einem Eiszapfen erstochen, weil sie nicht in sein stinkendes Bett wollte. Dann hat ihn die Teufels-Oma wiederbelebt. Verkleidet als sizilianisches Mädchen verführt und entführt er die kühle Spröde in den sonnigen Süden.

Mit ihrem tollen "Fege"-Schlager im Takt des "Fever"-Hits erobert Ulrike Kinbach sogleich die Herzen des Publikums, darunter auch Michael Quast an der Theke. Ihre alte Teufelin ist als Putzfrau ein Tausendsassa.

Mühelos schlüpft sie von einer Rolle in die andere, reißt ihre Augen unter dem zerzausten Haar und den hochgeschminkten Brauen auf - Reverenz an Waechters Clownstheater - piepst weinerlich als frigide Eisprinzessin oder grummelt als geiler König.

Bizarr, grotesk, skurril - es fehlen die Worte für den Widerspruch zwischen dem Schönheitsanspruch der Titelheldin und ihrem Outfit. Nachdem sie endlich das Weinen gelernt hat und ein Mensch geworden ist, dreht die rachsüchtige Narzisse den Spieß um. Der König wird zur Braut.


Claudia Schülke, Donnerstag, 11. Mai 2017